FAZ: Design gegen die Angst

Wellness-Termin beim Zahnarzt

28. Januar 2008  Wer eine Zahnarztpraxis betritt, dem vergeht meist das Lächeln. Zum einen haben viele Menschen schlechte Erinnerungen an frühere Besuche, zum anderen verursachen die nüchterne Atmosphäre, Geräusche und Gerüche der klassischen deutschen Praxis oft Unbehagen.

 

Doch das ändert sich: Nicht nur dass sich die Behandlungsmethoden stetig weiterentwicklen, auch das Design vieler Praxen tut es. (...) Stephan Ziegler von der Gemeinschaftspraxis "KU64" in Berlin setzt auf organische Formen und warme Farben. Die Räume am Kurfürstendamm, bei denen auf zwei Etagen Spezialisten rund um den Mund vom Dentallabor bis hin zur Heilpraktikerin versammelt sind, wurden von dem Berliner Architekturbüro Graft gestaltet, die unter anderen für den Schauspieler Brad Pitt und die deutsche Botschaft in Tokio Häuser entworfen haben. "Der Zahnarztbesuch wird durch die Kombination des originellen Designs und unseres neuen Behandlungskonzepts zu einem positiven Erlebnis", gibt sich Petros Prontis von KU64 überzeugt. "Wer zu uns kommt, soll sich wie im Kurzurlaub fühlen." Auf den rund 1000 Quadratmetern der hochmodernen Praxis dominieren sonnig-sandige Farben. Boden und Decke sind in Form einer Welle gestaltet, die sich als dreidimensionale Raumfigur durch die gesamte Praxis zieht. Im Winter sorgt ein knisterndes Kaminfeuer für romantische Wärme, im Sommer wird das Wartezimmer auf die Dachterrasse verlegt. Hinzu kommen Licht- und Klanginstallationen in den Behandlungszimmern.

 

"Es duftet in der Wartelounge nach frischem Cappuccino, und wer mag, bekommt auch ein Glas Champagner", sagt Petros Prontis. "Das gastronomische Ambiente macht aus den Patienten unsere Gäste. Man kann fast vergessen, dass man sich in einer Zahnarztpraxis befindet." Der Aufenthalt werde vielmehr zu einem Erlebnisbesuch inklusive zahnmedizinischer Heilung - auch für Kassenpatienten.

 

Für eine solche Wellness-Oase muss ein Zahnarzt allerdings etwas tiefer in die Tasche greifen: Die Kosten für die "Dental-Spa-Praxis" betrugen rund 1,5 Millionen Euro. Hinzu kommen noch einmal rund 100.000 Euro im Jahr Unterhaltskosten, etwa für den Kauf neuester technischer Geräte und die Fortbildung der Mitarbeiter.

 

Textauszug: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 27.01.2008, Nr. 4 / Seite V15

 

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